Antragsformular für Ihre ESTA-Bewerbung
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Land of the free, home of the brave

Die meisten Amerikaner gehen mit großem Interesse an Europa und seinen Bewohnern durchs Leben. Wenig verwunderlich, da sich gefühlt so ziemlich jeder Bewohner der Vereinigten Staaten in irgendeiner Form auf Wurzeln am „Alten Kontinent“ beruft. Und dennoch, die Wahrnehmungen zwischen den USA und Europa könnten phasenweise verschiedener nicht sein.

Bevor Sie mit Ihrem ESTA-Antrag Ihre geplante Reise in die USA antreten, wollen wir Ihnen helfen, die Amerikanerinnen und Amerikaner, die ja oftmals gerade auf uns Europäer gelegentlich etwas „eigenbrötlerisch“ wirken, besser zu verstehen. So ist es etwa gar nicht mal unwahrscheinlich, dass Ihr erstes interessantes Gespräch in den USA mit einer Einleitung ähnlich wie „I’m 50 % German, 40 % Irish and 10 % Cherokee!“ beginnen könnte. Und tatsächlich, man nimmt heute an, dass etwa 50 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner auf deutsche Vorfahren zurückgehen. Kaum weniger, nämlich über 30 Millionen,haben Wurzeln auf der „grünen Insel“ Irland.  Was jedoch wenige besonders betonen, da es sich für sie um eine absolute Selbstverständlichkeit handelt ist, dass 50 % Deutscher, 40 % Ire und 10 % Ureinwohner eben 100 % Amerikaner ergeben. Und eben hier liegt wohl auch der Knackpunkt in Verständnis und Wahrnehmung gegenüber Europa – ja, man bekennt sich stolz zur Herkunft seiner Groß- und Urgroßeltern, aber das große Ganze, das Übergeordnete, das höchste Gut ist es, Bürger der Vereinigten Staaten zu sein.  Dieses Selbstverständnis, diese Wahrnehmung der eigenen kulturellen Wurzeln, hat bis heute Einfluss auf das Verhältnis der Amerikaner zu den europäischen Gesellschaften.

Das Interesse an Europa und seiner Kultur ist vielerorts ein großes, wenngleich jedoch ist es nicht zielführend, die USA und ihre ureigenen Eigenschaften ausschließlich durch die europäische Brille zu betrachten. Das nordamerikanische Weltbild ist über Jahrhunderte gewachsen und durch die geschichtliche Selbstwahrnehmung der Vereinigten Staaten zu erklären. Freilich, die USA wehren sich durch ihre stark ausgeprägte Durchmischung und Dynamik gegen jede Generalisierung, dennoch gibt es immer wiederkehrende Muster und rote Fäden, denen wir uns hier widmen wollen.  Das Verhältnis zwischen den beiden Gesellschaften ist so komplex wie es speziell ist – wir heften uns an die Fersen seines Ursprungs.


Die umkämpfte und verklärte Freiheit

Der amerikanische Geist ist wie kaum ein anderer von der doch relativ kurzen, aber bewegten Geschichte des Landes geprägt. Man kann nicht leugnen, welche ausschlaggebenden Gründe europäische Auswanderer ab dem späteren 16. Jahrhundert in die „Neue Welt“ trieben. Religiöse und politische Verfolgung oder das durch die zahllosen Kriege, die den Kontinent durch dessen Geschichte hinweg heimsuchten, verursachte Elend trieben die Menschen aus den heimischen Gehöften.

Die deutschen Auswanderer unterschieden sich indes im Bezug auf die Gründe für ihre damals oftmals lebensgefährliche Überfahrt nicht wesentlich von den anderen – zu den klassischen „Push“-Faktoren gesellten sich neben religiöser Verfolgung einzelner Gruppen wie der Mennoniten, die sich noch heute offen zu ihrer deutschen Herkunft bekennen, oder sich verschlechternde Bedingungen für Bauern außerdem die rigoros durchgesetzte Wehrpflicht in den verschiedenen deutschen Fürstentümern.  Im Kriege fallen, in erster Linie für Glanz und Gloria eines Fürsten – zunehmend waren die deutschen Männer dazu nicht mehr bereit. Mit Sack und Pack, oftmals mit mehreren Familiengenerationen im Schlepptau, machte man sich auf die beschwerliche Reise, die in der Regel mehrere Monate in Anspruch nahm.

Als die wohl bis heute berühmtesten, historischen Auswanderer sind die englischen Pilgerväter zu nennen, die 1620 auf der Mayflower in Richtung des heutigen Massachusetts aufbrachen. Die Pilger verließen ihre Heimat einerseits aus Gründen strikter religiöser Moral, andererseits in der Hoffnung auf Freiheit und Frieden in einem neuen, ihnen noch völlig fremden Land. Gerade eben diese, vielzitierte Freiheit ist es bis heute, die die Amerikaner als ihr höchstes Gut erachten. Eine Freiheit, die man sich trotz aller Hoffnungen erkämpfen musste – ein Motiv, das sich bis heute in den letzten Zeilen der Nationalhymne wiederfindet: „(...) for the land of the free and the home of the brave“.  Die Botschaft ist eindeutig: Seine Freiheit bekommt nur der, der mutig genug ist, darum zu kämpfen.

Zunächst schienen sich vor allem die Hoffnungen nach Frieden und religiöser Freiheit zu bewahrheiten, als ein bunt gemischtes Potpourri, erneut hauptsächlich europäischer Gesellschaften, eine neue Heimat in Übersee fand. Doch mit der steigenden Einwanderung stiegen auch die Spannungen. Die großen Mächte England, Frankreich und -weniger ausgeprägt- Spanien begannen zunehmend, um Einfluss zu ringen. Immer mehr in die Enge getrieben fühlten sich durch die explosionsartigen Ankünfte der Europäer die amerikanischen Ureinwohner, die zwischen den zunehmenden auf Konfrontation gesinnten Mächten zerrieben zu werden drohten. Die Konflikte zwischen Kolonialreichen brachten den Menschen, die eben noch auf ein Leben in Frieden gehofft hatten, nach einer kurzen Atempause nun doch wieder Krieg. Der Siebenjährige Krieg, auch als Franzosen- und Indianerkrieg bezeichnet, sollte nicht der letzte auf eigenem Territorium bleiben. Hier beginnt die amerikanische Geschichte des beständigen Kampfes um die Freiheit, hier werden in den Köpfen die USA zur „Heimat der Mutigen“. Dieser Gedanke setzt sich mit dem Unabhängigkeitskrieg und dem großen Bürgerkrieg nahtlos fort. Es ist ein Lernprozess, der in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger der noch jungen Kolonien einsetzt: Unsere Freiheit bekommen wir auch hier nicht geschenkt.

Das neue, das „bessere“ Europa

Aufgrund dieser turbulenten Geschichte herrscht in den Vereinigten Staaten vielerorts ein stark idealisiertes Bild des eigenen Staates.  Das große Land, in dem Verfolgte und Leidende aus aller Welt (im Kern jedoch aus Europa) eine Zuflucht fanden, eine freie und unabhängige Heimat erkämpften, und das heute als Anführer der „freien Welt“ dasteht. Ja, es klingt theatralisch, und dennoch ist dies eine weitverbreitete Denkweise. Man hat die historischen Ungerechtigkeiten, Eigentumsverhältnisse und Unterjochungen in Europa hinter sich gelassen und etwas Neues, quasi das „bessere Europa“ aufgebaut. Bei konkreten, sachpolitischen Themen etwa schwingt immer noch die Abneigung gegenüber der Bevormundung durch Mächtige mit. Wenn Ihnen gegenüber ein Amerikaner „public healthcare“ als Sozialismus bezeichnet, dann verbirgt sich darin eine Wurzel aus der Besiedlungsgeschichte des Staates.

Ihr Gesprächspartner sagt Ihnen damit eigentlich nicht „Ich bin gegen staatliche Gesundheitsvorsorge“, sondern vielmehr „Ich bin dagegen, dass ich gesagt bekomme was ich zu tun habe“. Als Europäer ist dies womöglich immer noch schwer bis gar nicht zu begreifen und verlangt Sensibilität, aber dieser Kern ist es, der das Denken vieler Amerikaner bis heute prägt. Diese Historie des Kampfes um die Freiheit ist es, die permanent von Stolz auf die eigene Herkunft und großem Interesse an Europa konterkariert wird. Ein im Prinzip zutiefst widersprüchliches Verhältnis zwischen emotionaler und sachpolitischer Ebene prägt Amerikas Beziehung zur „alten Welt“ bis heute. In den Augen vieler Amerikaner hat Europa, zumindest im Kontext der EU, seine Freiheit erst durch das Eingreifen der USA im Zweiten Weltkrieg erhalten. Vielerorts wurde dies als Dienst an der alten Heimat gesehen, die immer noch von ihren historischen Problemen geplagt wurde.

Der folgende Vergleich mag stark überspitzt sein, doch stellt er die Beziehung der USA zu Europa plakativ dar: Man sieht sich gewissermaßen als der Sohn, der nun seinem alternden Vater durchs Leben hilft. Dem Vater, der sein „Kind“ aufgezogen, verstoßen und wieder aufgenommen hat und nun auf seine alten Tage auf die Hilfe der Jüngeren angewiesen ist. Kritik wird dabei oftmals als Undankbarkeit angesehen, Undank dafür, dass der „alte Herr“ beschützt und gehegt wird. Dieser alte Herr, der viel gesehen und erlebt hat, im wesentlichen aber immer wieder die selben Geschichten erzählt, während der junge Mann seinen eigenen Weg gehen will. Dieser Gegensatz wurde angesichts eines, wenn auch im politischen Zusammenhang stehenden, Zitates offensichtlich. Als Deutschland eine Teilnahme am Irakkrieg verweigerte, quittierte dies der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, selbst Amerikaner deutscher Herkunft, mit den Worten „Ich denke, das ist das alte Europa.“ Rumsfeld, mehrfach ein selbsternannter Freund Deutschlands, kritisierte das Land seiner Vorväter für angeblich altmodisches Denken und mangelnde Unterstützung. Dieses Verhältnis manifestiert sich auch in der nicht immer einfachen Beziehungsgeschichte der USA zu Deutschland.

„Ich bin ein Berliner“ – Deutsche aus amerikanischer Sicht

Eisenhower, Oppenheimer, Spielberg, Hasselhoff... diese Namen führen heute zur unweigerlichen Assoziation mit den Vereinigten Staaten. Deren sprachliche Wurzel ist dabei jedoch mindestens genauso offensichtlich. Wie eingangs erwähnt führen heute ca. 50 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner ihre Herkunft auf Deutschland zurück – tatsächlich hält sich sogar bis heute hartnäckig die Legende, es hätte Pläne gegeben, Deutsch als Amtssprache der USA einzuführen. Die zeitgenössischen Beziehungen zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volk sind dieser Tage in erster Linie von großem Respekt geprägt. Viele „German Americans“ besinnen sich wieder auf die Wurzeln ihrer Familie, beginnen die Sprache zu lernen oder interessieren sich für deutsches Brauchtum und Tradition. Und dennoch – auch Amerikaner deutscher Herkunft sind in erster Linie Amerikaner. Kultur, Geschichte und Tradition werden der Heimat der Ur-und Ururgroßeltern entlehnt, während das tägliche Leben und auch der größte Anteil des Weltbildes im „Land der großen Freiheit“ beheimatet sind.

Eines können wir allerdings nahezu garantieren: als deutschsprachiger Europäer wird Ihnen in den Vereinigten Staaten großes Interesse und offene Sympathie entgegengebracht werden, davon können Sie sich mithilfe Ihres persönlichen ESTA-Visums vor Ort selbst ein Bild machen. Und sollte es dann im Zuge einiger Gespräche zu Diskussionen über diverse aktuelle Themen kommen, so behalten Sie bitte diesen Beitrag im Hinterkopf. US-Amerikaner erwarten sich Verständnis und Respekt gegenüber ihren Überzeugungen.  Mit diesen Zeilen wollen wir Ihnen dabei helfen, das Selbstverständnis dieses Volkes zumindest ein kleines Stück greifbarer machen.

Um sich für ESTA anzumelden benötigen Sie Ihren Reisepass, eine E-Mail-Adresse und eine Kredit- oder EC-Karte. Wenn alle Daten korrekt sind, erhalten Sie Ihr ESTA-Visum innerhalb weniger Minuten.

Das Abflugdatum muss nach dem 04/04/2020 sein.

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